Jan Sledz | Henning Tilp
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»Arbeiten am Gleisbett«
Projektinformationen zum künstlerischen Wettbewerb Alexanderplatz U2 – 2004/05
Thema: »Sauberkeit, Service, Sicherheit«
Titel der Arbeit: »Arbeiten am Gleisbett«
Jan Sledz und Henning Tilp
03.06. - 03.07.2005
Eröffnung:
U-Bahnhof Alexanderplatz > Bahnsteig U2
Donnerstag, 02. Juni 2005 > 21 Uhr

Im Anschluß an die Eröffnung im U2-Bahnhof laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich zur Vernissage-Party ab 22:00 Uhr in die »bar« auf der Karl-Marx-Allee 36 ein.
Dazu spielt Heinz Rilke live elektronische Tanzmusik.

Ganz besonderer Dank geht an die Firma Radolid und an Herrn Beck der Firma Suhner.
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Zustand am 2. Juni 2005Anfang
Arbeiten am Gleibett - Zustand am 2. Juni 2005
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KurztextAnfang
»Arbeiten am Gleisbett«

Die äußere Schiene des im U-Bahnhof verlaufenden Gleises wird metallisch hochglänzend poliert.
Zusätzlich werden die Befestigungsmuttern der polierten Schiene mit vergoldeten Kappen überzogen.
Um den Eingriff über den gesamten Zeitraum zu wahren, sollen sowohl Schiene als auch Schrauben-
abdeckungen regelmäßig gereinigt werden.
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BildmaterialAnfang
Arbeiten am Gleisbett 1 Arbeiten am Gleisbett 2 Arbeiten am Gleisbett 3 Endzustand 2.6.2005 Endzustand 2.6.2005
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Konzept von Jan Sledz und Henning Tilp »Arbeiten am Gleisbett«Anfang
»Sauberkeit, Service, Sicherheit«

In den Diskursen über die zeitgenössischen Verkehrssysteme spielen die Größen »Sauberkeit, Service, Sicherheit« eine zentrale Rolle. Als Slogans und normative Fixpunkte suggerieren sie, dass Mensch, Reisekomfort und Sicherheit Vorrang vor einer Optimierung rein technischer Abläufe haben. Unserer Meinung nach verkleiden diese Diskurse eine Weiterentwicklung der Systeme, die zunächst nur dem technischen Fortschritt gehorcht: führerlose U-Bahnen, automatische Tempolimits und Ampelregelungen je nach Verkehrsdichte um nur einige zu nennen.

Kameras und Sensoren suggerieren Sicherheit und Schutz vor Kriminalität, messen aber in erster Linie die Menschen- und Verkehrsströme aus, um die Bahnen punktgenau im Tunnel halten zu lassen, Türen zu öffnen und zu schließen. Die Überwachung des Bahnsteigs mit Videokameras beispielsweise resultiert auch aus der Notwendigkeit, Gefahrensituation von einem zentralen Punkt aus zu erkennen und zu entschärfen. Sie ersetzten sozusagen den Blick in den Rückspiegel des U-Bahnführes, der in einem automatisierten System überflüssig wird.

Konnte man früher auf fahrende Straßenbahnen und Busse während der Fahrt aufspringen und Zugtüren manuell entriegeln, so ist der Fahrgast heute selbst Teil des optimierten Verkehrssystems. Die Unterordnung des menschlichen Faktors wird hierbei stets mit der Sicherheit begründet. Sauberkeit wiederum ist eine Voraussetzung für das Funktionieren der Technik: z.B. die Cola-Dose, die sich in der automatisch schließenden Tür verkeilt. Der Service besteht im präzisen Takt der Züge, in Fahrkartenautomaten, die keine Ruhezeiten und Nachtzuschläge kennen.

Der Bahnsteig und sein gesamtes Umfeld, wie die Züge sind in - teils unsichtbare - Zonen und Sektoren eingeteilt. Züge mit automatisch verriegelten Türen, die kameraüberwachten Bahnsteige, die sensorenbestückten Gleise und Tunnelausfahrten werden, mit Foucault gesprochen, zu kleinen Gefängnissen, die Sicherheit vermitteln und auch tatsächlich bieten.

Selbstverständlich zieht der Fahrgast Vorteile aus der Optimierung und Automation der Verkehrssysteme: Züge verkehren häufiger, pünktlicher und schneller, Fahrkarten sind jederzeit verfügbar usw. Auf der anderen Seite steht die Reduzierung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen auf einige, wenige, dafür aber hochqualifizierte. Direkte Interaktionen zwischen Menschen - Fahrgast und Fahrkartenverkäufer - werden ersetzt durch Abläufe, die uns in jedem Fall auch größeren Komfort und damit Service suggerieren.

Ideenskizze

Den oben genannten Gedanken folgend, wählten wir das Gleisbett als technische wie metaphorische Grundlage des U-Bahnsystems als Mittelpunkt unserer Auseinandersetzung mit dem Thema. Indem wir Werbeflächen oder den Bahnsteig außen vor lassen, machen wir das eigentlich technische des Verkehrssystems, sein Innerstes, Unveränderlichstes und Historischstes sichtbar.

Die äußere Schiene der beiden im U-Bahnhof verlaufenden Gleise wird metallisch hochglänzend poliert, so dass sie sich silbern glänzend, von der zweiten, verrußten Schiene abhebt. Zusätzlich werden die Befestigungsmuttern der polierten Schiene mit einer goldfarbenen Metallkappe überzogen, was als Überhöhung der Arbeit gelesen werden kann.

Bei der Konzeption stellte sich die Frage, wie sich unser Eingriff über den gesamten Zeitraum der Ausstellung bewahren lässt. Außerdem wollten wir den Faktor Arbeit in die Konzeption einbeziehen, der ja durch die Optimierung und Automation der Verkehrssysteme unmittelbar berührt wird. Wir kamen zu dem Schluss, dass nur die regelmäßige (tägliche oder wenn ausreichend auch seltenere) Reinigung der Schiene, der Kappen und des Gleisbetts das leisten kann.

Erst die regelmäßig gereinigte Gleisanlage lässt bei den täglich auf dem Bahnsteig verkehrenden Besuchen (und damit Betrachtern) den Schluss zu, dass dieser Eingriff bewusst erfolgte und über den Zeitraum der Ausstellung aufrechterhalten wird. Die Reinigung erfolgt in den Nachtstunden (also wenn die U-Bahn nicht verkehrt und damit unsichtbar für die Fahrgäste) durch eine nach Tarif bezahlte und autorisierte Reinigungskraft, die wir aus dem uns zur Verfügung stehenden Budget bezahlen werden.
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